00:00:05:
00:00:08: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge von in guter Gesellschaft dem Podcast der Schaderstiftung.
00:00:14: Mein Name ist Stella Lorenz, ich bin wissenschaftliche Referentin hier in der Schaderstiftung und ich bin nicht alleine hier sondern mit meinem Kollegen
00:00:21: Benjamin Steehl.
00:00:22: Hallo!
00:00:23: Und dann sitzt uns noch jemand gegenüber das ist Professor Dr.
00:00:26: Uwe Schneidewind.
00:00:27: herzlich Willkommen
00:00:28: Ja freu mich hier zu sein
00:00:29: Er is... Der Wissenschaftswissenschaftler hat an der Uni Köln studiert und an der School of Management in Paris, in St.
00:00:36: Gallen promoviert und war die letzten fünf Jahre bis zu zwanzig-fünfundzwanzig Wuppertaler Oberbürgermeister davor Präsident und wissenschaftlicher Geschäftsführer des Wuppertaal Instituts für Klimaumwelt und Energie.
00:00:49: Und davor war er Professor von BWL an der Ostjärzgie Universität in Oldenburg und dort ebenfalls Präsident.
00:00:57: Da muss ich jetzt gerade noch mal kurz einen Fakten-Check machen.
00:01:00: Seit Jahrzehnten Professor für Innovationsmanagement und Nachhaltigkeit an der Bergischen Universität Wuppertal, ist das noch aktuell?
00:01:06: Nein, also mit dem Oberbürgermeisteramt endet dann auch wirklich die
00:01:10: Professor... Da gab es keine Pause.
00:01:12: Genau, nämlich erlassen worden aus den Beamtenverhältnissen sozusagen aus der Professur und dann im kommunaler Wahlbeamte geworden.
00:01:20: Okay, aber Sie sind noch Fellow an der School of Transformation and Sustainability in Eichstedt-Engolstadt also noch sehr verwoben mit dem akademischen Kontext.
00:01:31: darauf werden wir auch sicherlich gleich noch zusprechen kommen.
00:01:34: Und mit der Schaderstiftung haben sie auch noch eine Verbindung angefangen bei den ersten Keynote-Zweißenvierzehnen beim großen Konvent bis hin zur heutigen Veranstaltung weswegen sie hier sind Inhaltlich zumindest hier auch gleich zu sprechen kommen.
00:01:49: Es geht heute um die Transformation zwischen Populismus und Bürokratie, und generell einfach um Kommunalpolitik.
00:01:56: Genau!
00:01:56: Und damit gehen wir rein...
00:02:02: Ganz oben auf dem Schreibtisch.
00:02:04: Genau zum Beginn des Podcasts machen wir immer die kleine Einstiegsfrage was liegt gerade bei Ihnen auf dem schreibtisch ganz oben?
00:02:10: Also welche Aufgabe werden Sie sich als nächstes widmen wenn sie wieder an den schreibtischen gehen?
00:02:15: Ja, aktuell liegt ja noch ganz oben mein Buch Dienstschluss.
00:02:18: Das wir heute auch vorstellen werden weil ich jetzt in den letzten Wochen und auch in den kommenden Wochen noch relativ viel unterwegs bin mit Diskussionen rund um das Buch.
00:02:27: aber darunter und da freue ich mich schon denn ich bin jetzt ja in so einer interessanten Übergangsphase man kann schauen was sind die Themen?
00:02:34: die einen reizen mich zur Zeit zu drei Themen.
00:02:39: Das eine ist diese gesamte Frage, wie geht es eigentlich mit Demokratie weiter in Zeitalter von massiver Digitalisierung und Populismus?
00:02:46: Wie müssen wir unsere Demokratie als Institution noch weiterentwickeln um sie stabil zu machen?
00:02:51: Und da hängt dann durchaus das zweite Thema mit dran was heißt das eigentlich für Hochschulen?
00:02:54: also wie sieht Hochschule der Zukunft aus?
00:02:56: Müssen wir so sagen die Wissensproduktion an Hochschul nicht sehr viel stärker und konkrete Transformationsräume herum organisieren Universität auch radikal neu denken.
00:03:06: Es hat natürlich auch viel mit KI zu tun, weil da die Fragen des Wissens erwerbt sich völlig verändern.
00:03:12: und ein drittes Thema das mich jetzt auch sehr intensiv beschäftigen.
00:03:16: Das ist so ein bisschen eines dass ich aus dem Buch noch mit rausnehme.
00:03:19: Die Frage kommunal Finanzen.
00:03:23: und wie können wir eigentlich unsere Städte auch mit sehr, viel weniger Ressourcen zusammenhalten?
00:03:30: Weil zurzeit wird ja nach viel mehr Geld auch zurechtgerufen.
00:03:33: Aber klar ist das würde nicht kommen.
00:03:35: Das heißt, wir können nicht einfach so weitermachen.
00:03:37: Und ich, dass mein so ein aktuelles Projekt, das mich umtreibt Ich nenne es so Half-Budget City.
00:03:43: Also Wie kann ich eigentlich Stadt Wiedarmstadt Mit der Hälfte Der finanziellen Mittel und der Hälfte des Personals eigentlich betreiben.
00:03:49: Und da muss ich nämlich dann an sehr viele Dinge grundsätzlich dran, kann das überhaupt gelingen?
00:03:54: Wie kann das gelingen?
00:03:54: wo sind die international Beispiele?
00:03:57: also Sie sehen jetzt kommt wieder die Lust auf die neuen Themen und die liegen dann direkt unter dem Buch.
00:04:02: und wenn im Sommer dann das ein bisschen abäppt mit den Veranstaltungen und was bucht dann geht es vermutlich an diese drei Fragen.
00:04:09: Genau, das Buch ist ja gerade erst erschienen.
00:04:11: Auch schon in der zweiten Auflage glaube ich?
00:04:13: Das war ziemlich schnell ...
00:04:15: Dritte ist jetzt auch schon im Druck.
00:04:16: Es
00:04:17: ist sehr gut nachgegriffen!
00:04:20: Das hat den Untertitel-Herausforderung Kommunalpolitik.
00:04:23: Was sind denn so die größten Herausforderungen ohne zu viel vorwegzugreifen für die Menschen, die das Buch noch lesen wollen und ohne es vielleicht auch... Naja, es ist natürlich eine provokative Frage weil es natürlich niemals ganz abgedrückt werden kann durch eine kurze Antwort.
00:04:36: aber was sind dann aus ihrer Sicht die Kernherausforderungen für die Kommunalpolitik?
00:04:41: Ja, ich hab das im Buch ja auch versucht auf so einzelne Formeln zu bringen.
00:04:45: Weil wenn man von draußen drauf schaut einem das vermutlich gar nicht so bewusst wird und ich selber nun als jemand aus der Wissenschaft kam dann doch noch mal einige Mechanismen in einer sehr hohen Intensität gespürt habe.
00:04:57: So ein Punkt dieses klare Primate Macht vor der Sachpolitik Das ist was was einen als Wissenschaftler Am Anfang ein ganzes Stück irritiert, weil man ja denkt, wow auch in der Politik geht es darum mit guten Argumenten nach den besten Lösungen zu suchen und dann eben zu spüren dass Politik doch erstmal nur so ein Tierraum dafür ist wer hat macht einen Wert keine.
00:05:18: Und das inhaltliche Argumente zum meisten rein instrumentellen Charakter haben.
00:05:22: also man greift auf sie zurück wenn sie helfen eine Machtposition abzusichern Man ignoriert sich man stellt sie infrage man relativiert sie wenn das nicht der Fall ist Und das eben da plötzlich erklärt, warum es Politikerinnen und Politiker gibt die wirklich innerhalb auch kürzester Zeiten genau das Gegenteil inhaltlich behaupten.
00:05:38: Das aus einer machtpolitischen Sicht aber viel Sinn machen kann und ihm zu verstehen dass wenn ich gute inhaltliche Politik machen will und gute inheitliche Argumente haben muss sich die immer mit so einem Machtaspekt begleiten.
00:05:52: Ein zweites Phänomen, das für mich auch herausfordernd war.
00:05:55: Weil ich ja mit einem sehr strategischen Anspruch in das Amt gegangen bin und man merkt es gibt so ein Primat des Kümmern vor dem Konzept.
00:06:02: Das heißt also die Sympathie-Werte den Vertrauensaufbau zur Person der passiert an der Oberfläche.
00:06:11: Wirkst du sympathisch bist du auf jeden Bürgerfest haben?
00:06:13: Die Leute das Gefühl Du bist nah bei ihren Anliegen Während das, was ja am Ende entscheidet, ob eine Stadt wirklich auch funktioniert.
00:06:20: Das sind sehr strukturelle und strategische Fragen.
00:06:23: Ist in der Verwaltung sehr gut aufgestellt?
00:06:25: Wie gut bist du im Management?
00:06:26: Gehst du wirklich die langfristigen Themen wo sich die Wirkung vielleicht erst bei deinem Nach- oder Nachnachfolgerin zeigen an?
00:06:33: Da entscheide sich am Ende die Zukunft der Stadt.
00:06:35: nur dafür kannst Du dir in der Regel politisch bei Wahlen nichts kaufen weil Wahlen eben auf dieser anderen Ebene entschieden werden.
00:06:44: Man muss jetzt ein gutes Gleichgewicht finden, diese Oberflächebene zu bedienen damit an Freiräume entstehen, dass entsprechend strategische auch zu machen.
00:06:56: und wenn man in den Verwaltungslogik und Apparat hineinschaut dann habe ich das so auf eine Formel gebracht Zuständigkeit versus Verantwortung, weil Verwaltung ist nach Zuständigkeiten sortiert.
00:07:09: Das soll eine berechenbare Form von Verwaltungen gewährleisten.
00:07:14: Es macht also auf dem ersten Blick Sinn.
00:07:16: die heutigen Themen sind aber so komplex und ressortübergreifend wenn jeder nur nach Zuständigkeit agiert passiert meistens überhaupt nichts mehr in der Verwhaltung.
00:07:23: du brauchst also Menschen die auch jenseits ihre Zuständlichkeit bereit sind Verantwortung zu übernehmen weil sie für ein komplexes Projekt Dinge verandreiben.
00:07:32: Und das war durchaus eine positive Erfahrung auch zu sehen, gerade in Stadtverwaltung wie viele solche Verantwortungsträgerinnen und Trägers gibt.
00:07:38: Aber du hast natürlich immer die, ich nenne die dann die Partisanen, die sich auf ihre Zuständigkeit und den Rechtsrahmen beziehen und einem immer wieder erklären warum was nicht geht und warum man jetzt erstmal sich gar nicht bewegen sollte.
00:07:52: Das sind ja oft auch die Frustration, die viele Bürgerinnen und Bürger haben wenn sie auf Verwaltungen schauen Weil diese Erlebnisse werden natürlich schnell immer weiter erzählt und man sieht dann gar nicht die vielen Verantwortungsträgerinnen.
00:08:07: Also das nur einfach so einige Beispiele sehen, ich könnte jetzt mit ihm weiterzählen.
00:08:10: Es lohnt
00:08:11: sich immer das ganze Buch durchzulesen.
00:08:13: da ist so viele drin.
00:08:14: Sie haben ja viel gewechselt zwischen der Wissenschaft, zwischen Hochschulleitung und Politik Und wenn ich sie jetzt so sprechen höre habe ich den Eindruck Da ist viel Analyse schon dabei.
00:08:27: Kommunalpolitiker, die vorher nicht in der Hochschullandschaft unterwegs waren, das gar nicht so betrachten würden.
00:08:32: Haben Sie den Eindruck, dass sie aus ihren anderen Rollen Mehrwerte mitgenommen haben?
00:08:37: Die Ihnen an anderer Stelle viel geholfen haben?
00:08:40: Also, der Wissenschaftler Uwe Schneidewind
00:08:44: als
00:08:45: Politiker Uwe Scheidewind ... Wie haben die sich beeinflusst?
00:08:49: Was mir geholft hat ist der Hoch-Schulmanin Uwe Schneidewind und der Institutsleiter Uwe Schnadewind war die Tatsache dass ich vorher schon zweimal größere Organisationen geführt habe, weil das ist was völlig anderes ein Team von zehn Leuten zu führen oder eine Organisation mit drei der viertausend Menschen wo du Führungskräfte von Führungskräften führst.
00:09:11: Und da ist es unwahrscheinlich viel wert, wenn man dann vorher schon mal viele Erfahrungen gesammelt hat.
00:09:18: Auch so natürlich sich ein paar blutige Nasen geholt hat – ich bin sehr jung und Unipräsident geworden – und da habe ich auch klassische Anfängerfehler gemacht.
00:09:25: Darüber lernt man dann ja.
00:09:27: Wenn wir wieder in eine Funktion kommen, wo man verantwortlich ist für über fünftausend Menschen, dann ist das gelernt!
00:09:33: Der Wissenschaftler?
00:09:35: Da ist eigentlich meiner Erfahrung Wissen mitzubringen.
00:09:42: Das ist eigentlich sehr, sehr gut zu erklären können was in Organisationen passiert das macht einen nicht unbedingt zur besseren Führungskraft.
00:09:50: ich sage immer so etwas ironisch dass hilft einem nachher besser zu verstehen warum man gescheitert ist.
00:09:55: Darum kann man dann so tolle Bücher schreiben also weil man das dann auseinander dividiert bekommt.
00:10:00: Was kam da eigentlich zusammen?
00:10:03: aber ich unendlich viele sehr gute Führungskräfte erlebt habe Und das ist dann entscheidend, die eine gute Intuition haben.
00:10:13: Für Menschen für Systeme, für Macht und da musst du nicht unbedingt in schlauen Büchern oder Aufsätzen herunterschreiben können sondern das muss in dir gewachsen sein Das ist viel implizites Wissen.
00:10:24: Da sind oft Menschen, die sich lange in den Systemen bewegen vielleicht auch in Familien groß geworden sind wo auch schon politische Verantwortung übernommen wurde.
00:10:32: und dann nimmst du ganz ganz viel so Subkutan auf.
00:10:37: Führung gerade jetzt in so einem öffentlichen Amt, das hat ganz viel mit Umgang mit Menschen.
00:10:44: Mit guter Kommunikation zu tun und da kommt es im Moment dann oft auf eine richtige Institution an Und da nutzt sie sehr oft gar nicht dass du schon zehnmal Aufsätze darüber geschrieben hast Dann kannst du trotzdem unendlich falsch machen.
00:10:56: Ja das ist ein guter Punkt.
00:10:57: Ich frage mich trotzdem ob das vielleicht ein gutes Vorbildmodell ist So einen Grenzgänger zu sein.
00:11:02: Also würden Sie sagen mehr Quereinsteiger Kommunalpolitik?
00:11:08: Ja, auf jeden Fall.
00:11:09: Weil wir natürlich merken die Herausforderungen, die wir haben das was zur Zeit in den Gesellschaften umbricht Das braucht ja eine ganz enge Interaktion zwischen Politik Unternehmen Zivilgesellschaft.
00:11:22: Und je mehr Grenzgänger und Seitenwechsel du im System hast, umso mehr gegenseitiges Verständnis ist für die Binnenlogiken da.
00:11:28: Also wir merken das ja gerade.
00:11:30: wenn jetzt so auf Politik geschaut wird oder auch Kommunalpolitik dann stehen oft viele die Unternehmen erfolgreich fühlen an der Seite und sagen was alles für Versager- und Idioten die kriegen das nicht hin damals eine fünf tausend Menschen Stadtverwaltung anständig zu führen.
00:11:43: also war es ein totales Fall weil sie eben überhaupt nicht verstehen dass neben dieser internen klassischen Management-Dimension, da plötzlich noch ein ganzes schwierige politische Layer drüber liegt und das Ganze dann nochmal im Bereich öffentlicher Kommunikation auch stattfindet.
00:12:02: Also es ist eine Führungsaufgabe die nochmal ganz andere Zusatzdimension hat.
00:12:07: Und wer das nie erlebt hat und immer nur aus einer Brille darauf schaut der ist dann oft ein schwieriger Kooperationspartner wenn die Dinge nur gemeinsam zu bewältigen sind.
00:12:19: Und ich glaube, deswegen sind Seitenwechsel extrem wichtig.
00:12:24: Das war ja auch einer der Gründe für dieses Buch – das soll nicht abschrecken!
00:12:28: Auch wenn es da so einiges der Mechanismen erläutert sondern einfach sagen Leute macht die Seitenwechsel aber macht vielleicht nicht alle Fehler, die mir so passiert sind weil ich bestimmte Mechanism in der Klarheit gar nicht auf dem Schirm hatte.
00:12:41: Das ist wichtig, aber es ist voraussetzungsvoll und darum sollte man sich gut damit auseinandersetzen auf was man sich da einlässt.
00:12:47: Fällt Ihnen das leicht?
00:12:49: zurück zu blicken und auch sich einzugestehen, das hätte ich irgendwie anders machen müssen.
00:12:54: Ja also das ist natürlich wirklich das Schöne.
00:12:58: so ein Buch zu schreiben bedeutet ja nochmal so ein ganzes Stück auseinanderzunehmen.
00:13:04: was war eigentlich im System?
00:13:06: Was hatte mit einem Falten zu tun?
00:13:08: wo hat das glücklich wohnt unglücklich miteinander interagiert?
00:13:12: Und als Wissenschaftler ist ja das Tolle, dass du selbst dort wo du gescheitert bist aus dem Erkennen des Zusammenhangs eine Befriedigung ziehst.
00:13:22: Man sieht auch wie ich drüber rede.
00:13:25: Ich finde es total cool zu verstehen warum ich bei bestimmten Dingen so an die Wand gelaufen bin.
00:13:31: Für jemand der jetzt die Dimension nicht hat für den bleibt einfach nur shit.
00:13:34: ich bin in die Wande gelaufen und war nicht erfolgreich Und darum fällt es mir, glaube ich ein Stück leichter.
00:13:40: Als jemand für den Oberbürgermeister immer das größte was er immer werden wollte und dann ist das nicht so gelaufen.
00:13:45: Das kann denn ja oft zu sein dass da eine ganze Lebensbiografie sich damit entwertet.
00:13:50: Ich habe ihm das Glück die sich sage wow!
00:13:52: Ich hatte sie eigentlich an einen Stellen anders vor Aber zumindest ist es ein super Buch draus geworden.
00:13:57: und jetzt mal gucken wir was wir daraus in dem nächsten Stuhl
00:13:59: machen.
00:13:59: Von einer anderen Datenlage.
00:14:02: Der
00:14:08: springende Punkt Gut, ja im nächsten Abschnitt des Podcasts wollen wir noch mal uns auf einen Thema fokussieren beziehungsweise nochmal ein bisschen tiefer da reingehen.
00:14:19: Die Rubrik heißt springende Punkt der springenden Punkt und da wollen wir den Fokus nochmal auf obane Veränderungsprozesse legen.
00:14:28: das ist ja auch das beschreiben sie in ihrem Buch Dienstschluss eben.
00:14:32: was hier vor allem beschreiben sind Dass es verschiedene Strukturen und Zustände gibt im urbanen, die einerseits Transformation vor Ort ermöglichen aber andererseits auch bremsen.
00:14:43: Also dass man so ein bisschen diese Gegensetzlichkeit hat... ...und durch die dann irgendwie durch navigieren muss.
00:14:51: Und da wäre meine Frage wie gelingt das am besten?
00:14:55: Slalom-Lauf quasi durch diese Strukturen, sodass dann aber eben am Ende natürlich Transformationen auch möglich wird.
00:15:03: Sie hatten vorhin schon die Machtdimension angesprochen – das ist sicherlich ein Teil, aber was gibt es noch für weitere Faktoren, die da so eine Navigation erleichtern?
00:15:12: Also für mich war immer ein zentraler Kompass, ich habe da auch einen Kapitel im Buch zugemacht, dass genannt mit den Energien gehen.
00:15:21: Ich glaube, das ist das A und O zu schauen.
00:15:24: Was sind für Energien im System?
00:15:27: Plokade-Energie, befördernde Energien und das kann auf einer sehr unterschiedlichen Ebene liegen.
00:15:34: Systemversagensmichenden, wie ich sie nannte.
00:15:37: Das sind ja oft sehr starke Plokade-Energien.
00:15:40: Wenn die da sind, dann musst du die erkennen und dann ist es oft auch wenn die gut organisiert sind gar nicht der richtige Weg jetzt mit aller Gewalt zu versuchen die zu brechen, dagegen anzurennen.
00:15:51: also nehmen wir an Du hast dir ein großes strategisches Projekt vorgenommen und spürst dann dass die Blockade-Energien so stark geworden sind, dann führt das sogar eher dazu wenn du in dieser politischen Logik versuchst jetzt unbedingt durch zu wollen.
00:16:04: Dass das die andere Seite noch mehr befeuert.
00:16:07: Wir haben das ja gerade in den Mobilitätsthemen gemerkt.
00:16:09: Das ist ein heutiger Kulturkampfthema.
00:16:11: Wenn du als grüner Professor jetzt sagst und jetzt machen wir aber die ambitionierteste Verkehrspolitik im Wupperteil die Republik gesehen hat, dann kannst du sicher sein es würden nie unnimmer kommen weil.
00:16:23: Und auf der anderen Seite gibt es eben sehr viele produktive Energien, die oft von sehr unterschiedlichen Akteuren zur Stadtgesellschaft kommen.
00:16:30: Also das sind vielleicht bestimmte Verwaltungsbereiche, die toll aufgestellt sind und wir hatten zum Beispiel unser Bereich der Geodäten, der ganzen Vermesserung diese super digitale Zwillinge gebaut haben.
00:16:40: da hattest du plötzlich ein technologisches Tool mit dem man dann ganz viel Anwendungen vorantreiben konnte Planungsprozesse die sehr viel partizipativer sind, unser Baummonitör und anderes.
00:16:51: Da kannst du also auf das Aufsetzen was Kraft von aus deiner Verwaltung kommt.
00:16:55: Und es sind – und die beschreibe ich ja sehr intensiv auch im Buch – Akteursgruppen in der Stadtgesellschaft.
00:17:02: Also bestimmte Form des unternehmerischen Engagements.
00:17:05: Du hast plötzlich Immobilienentwickler, die sich in so Städten wie Wuppertal um deine verfallenen Industriegebäude kümmern weil sie eben mit interessanten Finanzierungsmodellen Und in der Liebe und viel Erfahrung zur Altbaubestand plötzlich Dinge sanieren, die da dreißig Jahre leer standen.
00:17:20: Und die wir uns als Stadt hätten nie getraut anzufassen.
00:17:24: Du hast Unternehmer, die sich in der Stadt plötzlich sozial engagieren mit hohen Sozialprojekten.
00:17:32: oder so ein Projekt wie der Junior Universität, die bundesweit ausgestrahlt hat.
00:17:35: So eine Bildungsinstitution, die wirklich junge Menschen von vier bis achtzehn erreicht ganz stark aus Unternehmerschaften unterstützt wurde.
00:17:46: Und dann eben wirklich viele auch zivilgesellschaftliche Initiativen heute, also wie würde ich das sagen?
00:17:53: Die Stadtmacherinnen und Macher die auf Vielleicht brach gefallenen Arealen ganz andere Formen der Stadtentwicklungspolitik vorleben oder wirklich auch im Uppertal dann Schlüssel-Stadtentwickungsprojekte verantreiben, bei uns zu welchen Nordbahntraste so eine umgebaute Bahntrasse die nicht nur zu einer Radinfrastruktur sondern eigentlich zum Erholungsraum in abgehängten Stadtteilen geworden ist.
00:18:17: Das kam alles aus der Zivilgesellschaft.
00:18:19: Weil diese Formen von Akteuren, die laufen in Stück außerhalb dieser politischen Konfrontationslogiken.
00:18:25: Die haben dann plötzlich von allen Unterstützung und wenn man die dann flankiert und befeuert, dann gehen plötzlich Dinge, die wenn man als Oberbürgermeister vorgeschlagen hätte lasst doch mal diese Bahntrasse umbauen ist vielleicht einfach geschalterter.
00:18:41: Und wir haben das am Bopartei in Zut haben wir ja im Buch zur großen Transformation gemacht Und da haben wir den Begriff der Zukunftskunst verwendet, um das zu beschreiben.
00:18:51: Also es ist irgendwie... Ich habe immer das Bild, ich komme ja nun aus Wuppertal, Pina Bausch als Choreografin, die als Chorokrafin immer mit ihren Tänzerinnen und Tänzern gearbeitet hat zu gucken was steckt in denen drinnen?
00:19:03: Was sind dafür Ausdrucksformen da?
00:19:05: Und so ungefähr ist Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeisterin wenn ihr's gut machen willst.
00:19:08: Du musst gucken wo sind hier Energien, was steckte eigentlich drinne?
00:19:11: Braust!
00:19:12: Durch ist eine Grundidee, aber du darfst dich jetzt nicht wie bei Neuschwanstein auf ne bestimmte Choreografie festlegen von vornherein.
00:19:19: Die du dann versuchst in die Tänzer hineinzudrücken sondern du schaust eigentlich das mit diesen Potenzialen was baust, was denn in die richtige Richtung geht.
00:19:28: also so würde ich das fassen wollen.
00:19:31: Ja sehr spannend.
00:19:33: und Wie kann man sich dann so lokale Leuchtturmprojekte als quasi ja positiv Beispiele für Transformation Vorstellen, die auch in anderen Städten stattfinden.
00:19:43: Also ist es was schaut man da als Oberbürgermeister oder einfach als lokaler Akteur in andere Städte?
00:19:49: Guckt, was da gut läuft und tritt man da auch in den Austausch?
00:19:52: Und vor allem wie können da Synergieeffekte entstehen, wie das sich vielleicht auch gegenseitig so ein bisschen positiv beeinflussen kann?
00:20:00: Ja, also dieser Blick über den Tellerrand der spielt eine ganz wichtige Rolle.
00:20:04: Also wenn man sich jetzt die aktuelle Stadt im Wickenspolitik anschaut zum Beispiel bei diesem gesamten Thema Nutzung alter Kaufhausimmobilien weil die Kaufhauskonzernen sich fast überall zurückgezogen haben jeder hat da mindestens ein zwei solcher lehrgefallenen Kaufhäuser, was ich in der Stadt hier in Darmstadt hätte ich das auch.
00:20:23: Und da entstehen dann wirklich ganz neue Nutzungskonzepte die diese Kaufhäusern zu dritten Orten machen, die Bipotheken da rein nehmen Bildungsorte, Austauschorte, Kulturorte.
00:20:34: und da merkt man schon dass die Best Practices, die dann in einzelnen Städten umgesetzt sind, dass sie auch einen wichtigen Inspirationscharakter haben.
00:20:43: Bei uns selber in Wuppertal war die Montastiftung sehr aktiv, mit ihrem Initialkapitalmodell.
00:20:50: D.h.,
00:20:50: sie nehmen Kapitalen und handbauen so ein altes Gebäude, ist um zu einem wichtigen Begegnungs- und Belebungsort für einen Quartier.
00:21:01: Nehmen dann aber gemischte Nutzung rein, dass der Betrieb dann auf Dauer sich selber auch trägt.
00:21:06: Und das ist ein Modell, das ich sehr bewährt hat, dass die Mutterstiftungen in einigen anderen Städten auch so umgesetzt haben und das sind ... Dann gehen auch andere und sagen wir wollen eine tolle Idee.
00:21:16: Du brauchst wirklich nur das Initialkapitalen, dann läuft das.
00:21:19: Also da alle Städte fast in ähnlichen Herausforderungen sind, das befuchtet sich schon sehr
00:21:26: gut.
00:21:26: Vielen Dank!
00:21:29: Mich würde fast schon zum Abschluss interessieren, wo sie sich vielleicht für auch ein bisschen Zerstreuung aber natürlich auch Informationen über ihr Themengebiet informieren in den Medien.
00:21:41: Haben Sie eine Lieblingszeitschrift, einen Lieblingspodcast?
00:21:43: Eine Empfehlung für unsere Hörerinnen und Hörern, wo man sich gut über ja vielleicht kommunalpolitische Themen, aber auch diese Schnittstelle Kommunalpolitik-Wissenschaftsbetrieb statt als solche Stadtvolltransformationen informieren kann?
00:21:58: Ja, wow das sind ja sehr unterschiedliche Arenen.
00:22:02: Also jetzt was Podcast angeht höre ich einfach sehr gerne den Krisen-Podcast von der Zeit und diesen neuen Podcast Neu Denken von Meier Güppel Weil das macht einfach immer wieder Spaß, wenn dann auf beiden Seiten inspirierende Gesprächspartner sitzen und da entsteht dann so eine ganz eigene Dynamik.
00:22:21: Und das sind ja zwei Podcasts wo es wirklich um diesen ganzen Themenfelder Transformation geht in den Zeiten, in denen so viel umbricht und der ist natürlich das gesamte Themenspektrum dann auch mit drinne.
00:22:35: Also im Kommunalen ist es wirklich so, dass es einige richtig gute Städte und Stadtwandel spezialisierte Institute gibt.
00:22:48: Das Deutsche Institut für Urbanistik, das Institut der Landes- und Stadtentwicklung ILS in Dortmund oder auch der VDW.
00:22:57: Die haben jeweils richtig gute Newsletter, die kann man auch kostenlos abonnieren unter Christo.
00:23:01: Die machen immer tolle Themen, Schwerpunkthälfte.
00:23:03: da kriegt man eigentlich gut mit was passiert gerade im kommunalen Bereich und sagen wir das Zeitschriftenprojekt dass mich zurzeit mit am meisten inspiriert weil es einfach toll ist dass so etwas heute noch möglich ist diesen ökonomisches Magazin surplus oder surplus also ein Wirtschaftsmagazin das sich sehr intensiv mit der Einbettung, der Digitalfragen jetzt in diese aktuellen auch kapitalistischen Strukturen in den USA auseinandersetzen.
00:23:29: Die Frage wie sieht eigentlich eine sozial auch gerechte Wirtschaftspolitik aus?
00:23:34: Tolle Gastautoren immer wieder mit dabei und auch ein Magazin das kommt dann alle zwei Monate in Print haptisch richtig schön und daneben dann so einen online Newsletter.
00:23:46: also es macht doch einfach Spaß zu sehen dass solche journalistischen Produkte dass die heute noch an den Start kommen.
00:23:52: Also insofern ist das etwas, was ich sehr gerne und meistens von vorne bis hinten immer wenn die Ausgabe dann da ist auch durchlesen um was mich immer wieder sehr inspiriert.
00:24:01: Kleine persönliche Nachfrage noch wie fänden Sie die Zeit diese Podcast zu hören?
00:24:06: Und Zeitschaften zu lesen usw?
00:24:08: sind sie viel mit der Bahn unterwegs?
00:24:10: mir fällt es schon immer schwer Zeit zum machen dafür und finde das immer bewundenswert.
00:24:15: sehr beschäftigt Menschen noch Zeit finden.
00:24:19: Die Erfahrung ist ja, dass man sich gar nicht zusätzlich Zeit macht sondern guckt, die man ohnehin für gewisse Sachen verwendet hat jetzt anders nutzt also ob nun beim Putzen, beim Autofahren.
00:24:31: und bei mir ist es so das ich meistens morgens eine Stunde auf der Radrolle sitze Und dann kann man sich irgendwie im virtuellen Battle sozusagen in Sprints abkämpfen.
00:24:43: und aber an Tagen, wo man sagt, nee heute lässt es mal locker rollen.
00:24:46: Ist das ein guter Podcast im Hintergrund mit einer guten Möglichkeit?
00:24:50: Das ist erhellend!
00:24:51: Da vielen Dank.
00:24:53: Wir gehen auf den Schluss zu.
00:25:04: Genau, in des letzten Segment von diesem Podcast eine kleine Lightning-Round, die da heißt Entweder oder.
00:25:09: D.h.,
00:25:10: wir stellen Ihnen jetzt zwei Optionen für eins der beiden entscheiden.
00:25:14: Was sich bei uns etabliert hat in den letzten Aufnahmen ist, dass wir auch immer zwei Joker gewähren.
00:25:18: Das heißt, wenn Sie es nicht entscheiden können sollten...
00:25:21: Einfach Joker sagen!
00:25:25: Ich leg los.
00:25:25: Kaffee oder Tee?
00:25:28: Städtische Verwaltung reformieren und komplett neu denken.
00:25:32: Reformieren.
00:25:33: E-Mail oder Anruf?
00:25:35: Na e-mail.
00:25:37: Bürgermeister als Krisenmanager und Verwalter oder als Zukunftsvisionär?
00:25:41: Ja, als Zukunftsvisionär.
00:25:42: Ich hab den Glauben nicht verloren, dass das vielleicht doch irgendwie gehen kann!
00:25:47: Behutsame Vermittlungen oder mutige Experimente?
00:25:52: Mutige Experrimente?
00:25:53: Das wäre für mich mir nicht treu geblieben.
00:25:56: Radikaler Wandel- oder schrittweise Transformation?
00:26:00: Ja, radikaler Wandeln ja.
00:26:03: Frühaufsteher oder Nachtdenker?
00:26:05: Frühaufstier.
00:26:08: Globale Lösungen und lokale Initiativen?
00:26:11: Wow... Da würde ich jetzt Joker sagen.
00:26:18: Optimismus oder Realismus?
00:26:20: Optimismus.
00:26:22: Stadtverordnung, Versammlung oder Vorlesung und Hauptseminar?
00:26:25: Panjoker!
00:26:32: Damit sind Sie da leider aufgebracht.
00:26:34: Aber es sind nur noch drei Fragen.
00:26:35: Schwebebahn oder Straßenbahn?
00:26:38: Ich bin noch nie gefahren Du,
00:26:40: ich auch nicht.
00:26:41: Was ist das für ein Gefühl?
00:26:43: Ich bin wirklich jeden Morgen mit der Schwebebahn und dem Paternost aber noch an einem Rad.
00:26:48: Das hat mir ins Büro gefahren.
00:26:49: Und selbst nach fünf Jahren war es immer noch ein besonderes Gefühl über die Wuppertas zu schweben.
00:26:55: Das
00:26:55: ist mein nächstes To-Do wenn ich meinen Wupperscheibern... Gesellschaftswissenschaft als neutraler Beobachter oder wirkmächtiger Akteur
00:27:03: Als wirkmächige Akteuer?
00:27:05: Letzte Frage Wuppertaal oder Oldenburg oder Köln
00:27:08: Bobata.
00:27:11: Vielen Dank, dass Sie sich darauf eingelassen haben!
00:27:13: Ich habe noch eine Abschlussfrage bekommen.
00:27:16: zurück quasi zu unserem Ort an dem wir uns gerade befinden mit Blick auf die langjährige Verbindung von der Schaderstiftung und von Ihnen was funktioniert denn gut im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis?
00:27:26: Und was funktioniert fast nie?
00:27:32: Ja das ist ja wirklich die Frage wo man hinschaut.
00:27:37: also ich bewege mich in den Schnittbereichen wo richtig viel gut funktioniert weil da Akteurinnen und Akteure sind, die auch Lust haben sich durch Wissenschaft inspirieren zu lassen.
00:27:46: Und Wissenschaftler und Wissenschaftler, die Lust haben, sich gerade in solchen transminären Prozessen auf ein praktisches Transnommationsfeld einzulassen.
00:27:53: Also das heißt, in diesem Feld transminärer Forschung läuft extrem vieles gut wenn man merkt welches Potenzial drin steckt.
00:28:01: Was im Nichtgut läuft, ist überall dort wo die beiden Systeme in ihren Eigenlogiken frontal aufeinander prallen und keiner eigentlich von seiner Eigenlogik so richtig lassen will.
00:28:12: Und dann sehr schnell das Gefühl hat dass er mit der anderen Seite überhaupt nicht anfangen kann für was ihm wichtig ist.
00:28:18: Ich glaube da arbeiten wir hier oder versuchen es zumindest hier gut dagegen anzuarbeiten.
00:28:23: Vielen vielen herzlichen Dank Uwe Schneiderwind, dass Sie hier waren, dass sie mit uns gesprochen haben für die spannenden Einblicke Und wir hören uns in einer der nächsten Folgen.
00:28:31: Bis dahin bleibt mir noch zu sagen, dass wir noch wahnsinnig viele andere Ausspielkanäle haben zum Beispiel Instagram, LinkedIn unsere Website unseren Schaderdialog und unser Stiftungsmagazin.
00:28:43: Wir freuen uns wenn ihr beim nächsten Mal wieder mit rein hört.
00:28:46: Macht's gut!
00:28:47: Danke, tschüss!
00:28:52: In guter Gesellschaft ist der Podcast der Schaderstiftung.
00:28:55: Moderation und Redaktion Stella Lorenz und Benjamin Steehl.
00:28:59: Die Produktion ist aufgefaust.
00:29:01: Musik Maximilian Scheik, Josef.