In guter Gesellschaft

In guter Gesellschaft

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00:00:05:

00:00:08: Ganz herzlich willkommen zu einer neuen Folge von unserem Schader Podcast in guter Gesellschaft.

00:00:15: Mein Name ist Stella Lorenz, ich bin wissenschaftliche Referentin hier an der Schaderstiftung

00:00:18: und neben mir sitzt mein Co-host Benjamin Steehl.

00:00:21: Hallo!

00:00:22: Und wir freuen uns ganz besonders heute denn uns gegenüber sitzt Prof.

00:00:26: Dr.

00:00:27: Sebastian Konrad die serige Schaderpreisträger.

00:00:31: Hallo freut mich!

00:00:32: Ganz herzliche Glückwünsche von unserer Seite zu diesem Preis.

00:00:36: Vielen

00:00:36: Dank, das ist nett!

00:00:39: Und wir setzen uns heute ein bisschen damit auseinander, warum Sie diesen Preis überhaupt erhalten für was Sie den bekommen.

00:00:46: und ich stelle sie kurz vor – Sie sind Historiker, Sie sind Professor von Neuer Geschichte an der FU Berlin und eben in diesem Jahr.

00:00:55: unser Preisträger haben Geschichte Japanologie und VWL studiert in Bonn in Osaka und in Berlin Und nach der Promotion waren sie Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin, war ein Gastprofessor an der Ecole desaux d'Étude in Paris.

00:01:09: Gastwissenschaftler an der Uni in Kalifornien, in Santa Barbara und zwei Tausend Sieben unter anderem auch in Florenz in Italien als Professor für Geschichte im Europäischen Hochschulinstitut dort.

00:01:22: Seit Jahrzehnten sind sie jetzt an der FU?

00:01:25: Und leiten außerdem noch den Masterstudiengang Global History, das ist ein gemeinsamer Studiengang der FU und der Humboldt-Universität zu Berlin.

00:01:33: Das ist super beeindruckend!

00:01:35: Wir werden da auch gleich sehr ins Detail gehen aber wir beginnen immer mit einem festen Punkt in unserem Podcast.

00:01:47: Ganz oben auf dem Schreibtisch?

00:01:49: Genau die erste... Kategorie oder das erste Segment in unserem Podcast heißt, was liegt gerade auf ihrem Schreibtisch?

00:01:56: Und da stellen wir oder wollen wir von unseren Gästen immer wissen.

00:01:59: Was sie dann quasi direkt nach der Aufnahme beziehungsweise im Fall jetzt morgen nach der Verleugung des Schadepreises als erstes in Angriff nehmen werden.

00:02:06: Ich fange

00:02:07: mal damit an, was ich gerade lese.

00:02:08: Also grade als letztes Buch gelesen Break Neck heißt es zur jüngsten Entwicklung in China letzten fünfzehn Jahre und Ich hab außerdem auf dem Schreibtisch ein Buch zur Geschichte Armenians, wo ich kürzlichen Vortrag gehalten habe.

00:02:26: Das sind die Dinge mit denen ich mich gerade beschäftigt habe.

00:02:29: Wunderbar!

00:02:30: Vielen Dank.

00:02:31: Bitte schön.

00:02:32: Wir haben ja schon verraten Sie sind Historiker und Ihr Schwerpunkt ist Globalgeschichte.

00:02:37: Wie würden sie denn in aller Kürze erklären womit sie sich genau auseinandersetzen?

00:02:41: Vielleicht für jemanden der nicht genau weiß was Globalgeschicht eigentlich bedeutet das er auch ein relativ weites fällt.

00:02:46: Was machen sie?

00:02:48: Ja also Zunächst einmal kann man sagen, dass normalerweise wenn man in Deutschland in die Schule geht oder auch an der Universität.

00:02:55: Dass man eigentlich wenn man Geschichte studiert zum Beispiel im wesentlichen deutsche Geschichte lernt und also in der allgemeinsten Formulierung würde man sagen global Geschichte geht.

00:03:05: darüber hinaus schaut sich andere Regionen an.

00:03:09: Geschichte passiert nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen der Welt.

00:03:13: Das ist sozusagen die, sagen wir mal, the most basic Definition wenn man so möchte.

00:03:18: Allerdings geht es in der Regel dann darüber hinaus.

00:03:20: also ein besonderes Interesse von Globalgeschichte richtet sich auf die Verpflichtungen, auf die verschiedenen Beziehungen Austauschbeziehungen Die Mobilität von Dingen Von Personen Von Ideen Also die konkreten Beziehung.

00:03:37: und Noch einen Schritt.

00:03:39: darüber hinaus schaut man, welche globale Prozesse kausal wirksam werden.

00:03:47: Wenn wir uns Entwicklungen in einem Land anschauen dann sind sie in der Regel nicht... sind die Ursachen nicht nur lokal zu finden, sondern sie sind in der Regel... gibt es also unterschiedliche Ebenen und die reichen bis hin zur globalen Prozessen.

00:04:01: Also Globalgeschichte in diesem Sinne, wenn man's jetzt stärker methodisch fasst, da gehts dann darum, konkrete Ereignisse aus diesen externen oder globalen Faktoren herauszu erklären?

00:04:15: Sie haben gerade schon gesagt, in der Schule lernt man oft nur deutsche Geschichte oder aus einer deutschen Perspektive zumindest.

00:04:21: Wie war das denn bei Ihnen?

00:04:24: War dieses Defizit für Sie ein Grund, eher in die Globalgeschichte einzusteigen.

00:04:28: Wo kam das Interesse für Geschichte bei Ihnen her?

00:04:31: Das Interesse ist bei mir zunächst auch wie bei den meisten dann einfach für deutsche Geschichte entwickelt.

00:04:36: Also ich habe einen Interesse an deutscher Geschichte entwickelt.

00:04:40: also im Schulunterricht kriegte man eigentlich kaum etwas anderes geboten.

00:04:44: Das Interesse, also ich habe dann zur japanischen Geschichte promoviert und das hatte mit einem Zufall zu tun.

00:04:51: Ich hab ein Jahr lang mit einer japanische Familie zusammengelebt und dadurch kam ein Interesse was es vorher gar nicht gab, was sich aber schnell entwickelt hat.

00:05:03: Ja, mein Vater hat schon zu Indien gearbeitet.

00:05:07: Es gab sozusagen eine grundsätzliche Offenheit gegenüber auseuropäischen Gesellschaften und Themen.

00:05:12: sicher, das ist sicher ein Hintergrund.

00:05:14: Und natürlich ist es auch der allgemeine Zeitgäste.

00:05:17: also als ich angefangen habe zu studieren Ende der achtziger Jahre also da kommen wir schon in die Phasen der zunehmend Globalisierung eine Rolle spielt.

00:05:25: Das war sicher auch so einen Hintergrund der mir damals sicher nicht so bewusst war.

00:05:29: Also so insofern gab's sozusagen strukturelle Faktoren.

00:05:32: aber es gab auch dieses zufällige Ereignis dass sich da persönliche Beziehungen aufgebaut haben die immer noch bestehen.

00:05:41: dann zum Studium der Japanologie, der Sprache, der Tausenden von Schriftzeichen und auch der japanischen Geschichte gebracht haben.

00:05:49: Das heißt die sprechen und lesen und schreiben fließend?

00:05:53: Also ich spreche und lese aber ich schreibe nicht auf

00:05:59: japanisch.

00:06:00: Wann waren Sie zuletzt dort?

00:06:02: Ich war jetzt im Herbst, im letzten Herbst war ich sechs Wochen in Tokio.

00:06:08: Ach so lang auch dann?

00:06:08: Das heißt Sie sind regelmäßig noch irgendwie auch involviert ein bisschen in die japanische Geschichte der Gegenwart sozusagen und...

00:06:15: Also bis Covid war ich jedes Jahr mindestens einmal in Japan.

00:06:18: Dann gab es ein paar Jahre Unterbrechung.

00:06:20: Jetzt war es etwas längerer Aufenthalt.

00:06:23: also ich versuche schon den Kontakt mit den Kollegen in den dort aufrecht zu halten zu merken, was dort diskutiert wird.

00:06:30: Und ja es war interessant.

00:06:32: also wir hatten Debatten auch über die Dynamik der Erinnerungspolitik.

00:06:36: dann haben sie dort gleich so ein Sonderheft gemacht für das ich dann auch etwas geschrieben habe als es gibt.

00:06:42: diese Beziehungen sind nach wie vor da zum Glück und die sind mir wichtig.

00:06:48: Ihr

00:06:48: großer Schwerpunkt jetzt vor allem in den letzten Jahren war ja Postkolonialismus.

00:06:54: wo kam hat das in Japan schon begonnen, dass Sie sich damit beschäftigt haben?

00:07:01: Oder ist das noch mal ganz woanders entstanden.

00:07:03: Also jetzt in meiner Biografie, wenn man so sagen möchte, ist der Schwerpunkt Globalgeschichte jünger der Postkoloniale.

00:07:10: diese poskulären Zugänge sind älter Das geht in die neunziger Jahre zurück.

00:07:15: Ich habe damals über Deutschland und Japan im Vergleich nachgedacht und interessant also ja und postkoloniale Ansätze waren wichtig für mich um diese beiden Gesellschaften im Vergleich sich anzuschauen.

00:07:30: Also das hat in gewisser Weise eine lange Tradition.

00:07:33: manchmal, also in meiner eigenen Praxis bleiben die postkolonialen Ansätze wichtig auch in meinen globalgeschichtlichen Arbeiten.

00:07:40: Es gibt aber auch Leute, die Postkolonellismus und Globalgeschichte als Gegensätze betrachten.

00:07:45: Das ist ein sehr komplexes Feld es nicht so dass das unmittelbar das eine ins andere übergeht.

00:07:51: Das sehen Sie aber anders?

00:07:52: Diese Trenne oder?

00:07:53: Ja, also sagen wir so in der Global... Also wenn man es mal so ganz schimmartig sagt kann man sagen.

00:07:57: In der Globalgeschichte gibt es Leute die vor allem die wirtschaftliche Integration in den Vordergrund drücken und die anderen, die eher Imperien als die Triebkräfte der Globalisierung in den vordergrund rücken.

00:08:12: Und je nachdem ist der Schwerpunkt eher auf den Ungleichheiten, die die Imperien mit sich bringen Imperialismus, Rassismus usw.

00:08:22: oder aber auf den unsichtbaren Händen die den Markt regeln und wo dann eben diese stärker politisierten Unterschiede weniger wichtig sind.

00:08:31: also das ist schon so.

00:08:32: zwei Richtungen und für mich bleibt Politik bleiben Imperien-Imperialismus wichtig wenn ich mir global geschichtlich Prozesse anschaue.

00:08:44: Der Kolonialismus ist ja eine Zeit viele gesellschaften oder viele länder auch jetzt noch umtreibt und vor allem der umgang damit also gerade viele westliche länder die kolonialisiert haben tun sich aus meiner sicht noch manchmal sehr schwer mit dem umgang.

00:09:02: woran liegt das?

00:09:04: und sehen sie da vielleicht auch eine eine veränderung eine positive dass es sich langsam wandelt.

00:09:10: Also, das wandelt sich auf jeden fall ja.

00:09:12: also zunächst mal Es wandelt sich auch deshalb, weil lange Zeit in vielen Ländern die Erinnerung an das Imperium eigentlich eine positiver Erinnerungen war.

00:09:23: Also wenn wir nach Portugal schauen und Großbritannien im Grunde zum Teil bis jetzt ist es häufig ein positiv aufgeladener Teil der Geschichte und ist Teil ja der Erinnering an nationale Größe die Imperien jetzt so kritisch gesehen werden, das ist die eine Veränderung.

00:09:43: und die zweite Veränderungen ist dass diese Bereitschaft eben kritisch sich mit der eigenen imperialen Geschichte auseinanderzusetzen auch tatsächlich wächst.

00:09:52: eigentlich überall würde ich sagen.

00:09:54: Warum tun sich Gesellschaften damit so schwer?

00:09:57: Also nun ja weil es eben ein lieb gewonnenes Selbstverständnis hinterfragt Ja, unterminiert werden.

00:10:08: Also das ist eigentlich überall so.

00:10:11: Ich meine selbst in Deutschland wo man ja gelernt hat sehr kritisch mit der Geschichte des Nationalsozialismus umzugehen und dass eigentlich Teil des gesellschaftlichen Selbstverständnisses geworden ist war.

00:10:30: Beteiligung der Wehrmacht und der ganz normalen Soldaten in Anführungszeichen an den Verbrechen, an der Ostfront.

00:10:36: Und auch im Holocaust dokumentiert er also das stieß auf ungeheuer starken Widerstand.

00:10:41: Also selbst in einem Land was eigentlich seine kollektive Identität in gewisser Weise auf eine negative Erinnerung aufgebaut hat.

00:10:51: Insofern kann man es glaube ich sehr schnell sehen dass das in anderen Ländern nicht so anders ist.

00:11:00: Zweitens spielen sich ja auch noch ganz konkrete juristische ökonomische Aspekte eine Rolle.

00:11:06: Das sieht man am deutschen Umgang mit den ehemaligen Kolonien, also dass die Reparationszahlungen an Namibia über die verhandelt wird werden bewusst nicht als Reparation bezeichnet weil man Sorge hat das dann auch andere Länder kommen könnten Tansania aber auch Polen oder Griechenland die auch solche Forderungen stellen.

00:11:28: Diese Schwierigkeiten sind nicht nur auf dieser Identitäts-Ebene zu finden, sondern eben auch auf dieser stärkeren materiellen juristisch ökonomischen Ebene.

00:11:37: Die das dann erschweren und das gilt für viele andere Länder auch.

00:11:40: also gerade die Frage von Wiedergutmachungszahlungen, Reparationen spielt eine große Rolle.

00:11:46: Gibt

00:11:46: es etwas was Sie sich wünschen würden?

00:11:48: Für den künftigen Umgang vielleicht insbesondere Deutschlands mit den ehemaligen Kolonien oder Entwicklungen die Sie antizipieren?

00:12:00: Ich glaube, das eine ist die Frage der Erinnerung gestaltet.

00:12:05: Da denke ich schon so, dass in Deutschland ein Ort an dem die Kolonialerinnerung kritisch aufbereitet wird oder auch wahrgenommen werden kann fehlt.

00:12:18: Das ist etwas, was irgendwann kommen wird.

00:12:22: Da denk ich eigentlich ... Ja, das werden wir erleben.

00:12:28: Das ist auch umstritten, wie wir wissen.

00:12:31: Auch da gibt es in der breiteren Gedenkstätten-Szene wieder Stände dagegen aber ich glaube das wird kommen.

00:12:38: die andere Frage ist, wie die Beziehung zu den Ländern selber gestaltet werden und das ist gar nicht einfach.

00:12:47: also auch da sehen wir ja sowohl bei den Verhandlungen mit Namibia als auch in Tanzania Aber nehmen wir mal das namibische Beispiel dass die deutsche Seite bereit ist für den Völkermord an den Herero tatsächlich auch eine Form von Wiedergutmachung zu zahlen.

00:13:01: Dass es aber sehr komplex ist, weil die Herero dort nicht in der Regierung vertreten sind.

00:13:05: Die deutsche Regierung aber nur mit der Regierung handelt.

00:13:07: also wir sehen wie kompliziert diese Situation ist.

00:13:10: Also da wäre ja einfach die Hoffnung dass da Wege gefunden werden, die tatsächlich ehemals geschädigten dann ja auch zum Gesprächsparten werden zu lassen.

00:13:27: Der springende Punkt.

00:13:28: Im nächsten Segment wollen wir uns allen in ihrer Themenbereiche noch mal vertiefend widmen und zwar arbeiten sie ja aktuell an einem Buchprojekt zur Geschichte des Körpers im globalen Zeitalter, dabei argumentieren Sie ja dass der menschliche Körper seit dem späten neunzehnten Jahrhundert kein bloßes Naturprodukt mehr ist sondern eben zunehmend als formbares Projekt wahrgenommen wird, an dem aber auch soziale Ungleichheit macht ausgehandelt werden.

00:13:55: Und dazu möchte ich fragen, woher das eigentlich kam?

00:13:59: Also wie kam es dazu, dass Menschen anfingen eben ihren Körper als Objekt der Optimierung und auch als Statussymbol zu begreifen?

00:14:06: Welche vielleicht auch ökonomischen oder globalen Umbrüche haben diesen Wandel ausgelöst?

00:14:12: Ja also Das ist ein Prozess, der sich im späten Jahrhundert intensiviert und bis heute beschleunigt hat.

00:14:29: Man kann lange in die Geschichte zurückgehen und sehen wie Menschen versucht haben an ihrem Äußeren etwas zu verändern... Die Wandelbarkeit oder die Plastizität des menschlichen Körpers ist keine neue Erfindung, also sei es die Parücken im europäischen Barock.

00:14:48: Oder die abgebundenen Füße in China, das geht ja eine Tradition bis ins Hungzeit zurück.

00:14:56: Das gibt's schon sehr lang.

00:14:58: Insofern ist es nicht grundsätzlich etwas Neues.

00:15:01: aber ich würde argumentieren dass der Stellenwert sich verändert hat und die Bedeutung insgesamt, die gesellschaftliche Bedeuterung zugenommen hat.

00:15:12: Und ja sie fragen nach den Gründen, den Faktoren, die da eine Rolle spielen.

00:15:17: also einerseits glaube ich dass es... Also meine Einschätzung ist das die Zunächst mal der Stellenwert des Körpers für die eigene Identität, für die Subjektivitätsentwürfe in seiner Bedeutung zugenommen hat.

00:15:34: Das hat auch damit was zu tun, dass das andere Angebote also sagen wir mal die Religion etwa in ihrer Bedeitung nachgelassen haben.

00:15:44: Also es ist eine Ablösung und ich würde sagen man kann seit dem späten Jahrhundert davon sprechen, dass immer stärker der Körper Und damit in gewisser Weise, das ist auch interessant.

00:15:57: Auch das Äußerliche also zu dem Ort wird an dem Subjektivität sozusagen gestaltet wird.

00:16:02: Also heute schreiben viele Menschen Quartatou, sagen wir mal, die schreiben sozusagen Identitätsmark auf ihre Oberfläche und die Subjektativität wird eben nicht mehr ausschließlich durch die Innerlichkeit bestimmt oder definiert.

00:16:20: Das ist glaube ich schon eine Verschiebung.

00:16:22: Da ist es auch da nicht so dass vorher ganz anders war und jetzt so, aber es ist eine deutliche Gewichtsverschiebung.

00:16:30: Das kann man glaube ich schon sagen.

00:16:31: Welche anderen Faktoren spielen da rein?

00:16:33: Also auf jeden Fall natürlich die mediale Revolution also die Erfindung der Fotografie ist ganz zentral dann auch natürlich das Films später dann des Fernsehens.

00:16:45: Man kann im Grunde jeweils fast Zäsuren ausmachen, die zeigen wie diese Verfielfächtigungsmöglichkeiten das Bild des Koppers verändert haben.

00:16:58: Man muss sich klarmachen, dass bis ins späte der Hundert hinein niemand im Grunde wusste ob eine andere Person wirklich groß oder klein ist schön oder nicht so schön strahlend.

00:17:14: Also man wusste ja eigentlich gar nicht wirklich wie andere Personen aussehen und man konnte sich nur im Nahbereich vergleichen, im eigenen Dorf.

00:17:22: Und plötzlich ist es so, also zunehmend dann vor allem mit der Presse und den Bildern die da abgelichtet werden dass man plötzlich das die Vergleichsmöglichkeiten zu nehmen.

00:17:32: Diese Vergleichbarkeit spielt eine ganz Zentrale Rolle.

00:17:35: Die wird immer größer und später in der Zeit des Fernsehens wenn die ganze Nation davor sitzt... wenn bestimmte Shows gezeigt werden, Schönheitswettbewerbe.

00:17:49: Dann plötzlich ist eine Vergleichbarkeit da und man sieht zum Beispiel dass ja das zB alle Frauen die auf so einem Schönheitswertbewerb auftreten weiß sind.

00:17:59: dabei sieht man in der eigene Stadt dass es gar nicht so ist.

00:18:01: also da kommen plötzlich Dynamiken hinein.

00:18:04: untersehen wir natürlich im Gegenwart erst recht mit den sozialen Medien jetzt mit der künstlichen Intelligenz wie dieser mediale Wandel diese Entwicklung befördert und verstärkt.

00:18:17: Und sie sprachen die Ökonomie an, das spielt natürlich eine ganz zentrale Rolle also von Anfang an.

00:18:24: Also das heißt also seit dem späten Jahrhundert gibt es die Kosmetikindustrie einer der Triebkräfte Die auch sehr früh schon Spätestens in den neunzehnundzwanziger Jahren verkaufen.

00:18:37: die großen Firmen, die amerikanischen französischen Firmen So eine Firma wie Shiseido in Japan verkaufen schon transnational, also weit über ihre Grenzen der eigenen Nation hinaus.

00:18:50: Also diese Komodifizierung der Schönheitsprodukte im Grunde dann eben auch der Körperbilder selber die geht schon sehr früh los und wird vor allem von Anfang an relativ schnell global.

00:19:11: Und so wie ich sie verstehe, ist da der westliche Einfluss auf diese Körperideale ja scheinbar auch enorm.

00:19:19: Sie sprachen Medien generell an wahrscheinlich auch Hollywoodfilme oder Filme aus der westlichen Welt.

00:19:25: Sie haben westliche Firmen angesprochen.

00:19:29: Insofern könnte ich mir vorstellen dass man da auch eine Postkoloniale Komponente mitdenken kann.

00:19:36: Was allerdings ja auch oft in dieser Debatte genannt wird, ist so ein bisschen dieses Narrativ von Emanzipation oder von einer generell vielleicht emancipatorischen Selbstoptimierung und das wirkt erst mal wie ein Paradox eigentlich.

00:19:54: Das ist auf der einen Seite irgendwie um Emanzipation und jeder kann so leben wie er das möchte oder auch aussehen, wie er es möchte und aber demgegenüber ja schon irgendwie ein sozialer Druck und wahrscheinlich auch eine globale Ungleichheit steht.

00:20:08: Wie lässt sich das auflösen?

00:20:09: Oder wie betrachten Sie diese für mich jetzt erst mal als gegenseitige Pole erscheinenden Punkte in dieser Debatte?

00:20:19: Ja also genau so ist es.

00:20:21: Also die Diskussion geht wenn man zusammenfasst von drei so großen gegen Überstellungen aus.

00:20:28: Also sind die Schönheitsvorstellungen, die da produziert werden inklusive der Produkte, die vermarktet werden Ausdruck der Herrschaft des Patriarchats oder gibt es Möglichkeiten sich dadurch auch davon zu befreien?

00:20:42: Zweitens ist es der Kapitalismus, der das im Grunde mit der Marklogik durchsetzt und gar nicht so recht einen drinnen ist oder gibt es eben Möglichkeiten auch der der agency, sagen wir mal die damit ausbricht?

00:20:57: und drittens was sie angesprochen haben sind das imperiale bilder.

00:21:01: ist es im Grunde eine Form des Kulturimperialismus, der man sich auch kaum entziehen kann.

00:21:04: Oder gibt es ganz unterschiedliche Praktiken mit dem Körper umzugehen in so gestalten auch Schönheitsvorstellungen die sich eben davon lösen und gar nicht den westlichen Modell entsprechen?

00:21:15: Und bei allen diesen Gegenüberstellungen gibt es sozusagen beide Pole.

00:21:18: gleichzeitig würde ich sagen also wenn wir mal diese letzte Polarität zu sagen anschauen da würde man sagen dass Also zum Beispiel mal ein konkretes Beispiel genannt, also die seit den zwanziger Jahren werden diese whitening creams, also diese Weißmachcremes verkauft.

00:21:44: In Südasien in Ostasien in Afrika auch und die ließ man natürlich ganz schnell als versuchte Angleichung an ein westliches.

00:21:55: Schön hat's ideal.

00:21:56: Gleichzeitig wissen wir aber aus anthropologischen und auch historischen Studien, dass in vielen Gesellschaften vorkolonialen Gesellschaften schon längst hellere Haut privilegiert wurde, geschätzt wurde... In manchen Fällen wie zum Beispiel im japanischen Fall gab es diese Tradition sich bei Frauen die Haut ganz weiß zu schminken.

00:22:20: Die Zähne schwarz übrigens.

00:22:24: Das heißt also, und da gibt es auch Untersuchungen für zum Beispiel Südafrika die auch zeigen.

00:22:29: Also das auch schon in der Vorkolonialzeit diese Präferenz für hellere Haut war.

00:22:36: Insofern ist es häufig so dass es ineinander übergeht.

00:22:39: im imperialistischen Zeitalter verstärkt dann, also die Hegemonie mit der Weisheit etabliert wird als Norm, verstärk noch mal Dinge die vielleicht auch schon lokal angelegt sind Und schließlich noch einsatz, also es gibt natürlich auch immer Widerstände oder gegenläufige Tendenzen.

00:22:59: Erstens sind die städtischen vor allem Eliten aber überhaupt die stätische Bevölkerung viel stärker diesen Standardisierungsprozessen ausgesetzt.

00:23:09: Teufig ist es dann im Hinterland in den Dörfern viel weniger der Fall.

00:23:15: Aber es gibt eben auch diese regelrechten Gegenbewegungen.

00:23:18: Also Black is beautiful sagen wir mal in den Seventiger Jahren.

00:23:23: Bordipositivity wären ein anderes Beispiel aus der jüngeren Zeit.

00:23:26: Oder man könnte im Grunde auf eine Weise selbst diese Faszination für die K-Pop Ästhetik dazu fügen, die jetzt nicht so sehr als Widerstand daherkommt weil sie ja ganz aus dem Markt logiker raus sozusagen reussiert.

00:23:40: aber sie ist trotzdem auch ein Gegengewicht zu bestimmten sagen wir westlichen Vorstellungen von Körperästhetika.

00:23:48: also insofern sind das immer Aushandlungsprozesse natürlich in einem Raum stattfinden, der von klaren Hierarchien geprägt ist.

00:23:58: Aber auch nicht vollkommen Determiniertes.

00:24:02: Super interessant!

00:24:03: Also ich glaube man merkt total dass das ein ganz komplexes Feld ist und auch ein weites Feld und dass das unheimlich interessant sein muss.

00:24:10: in all diese Bereiche so bisschen die Forscherfühler auszustrecken habe ich den Eindruck Wir kommen schon fast zum Schluss.

00:24:19: Uns interessiert immer ganz besonders, wo sich unsere Gäste informieren.

00:24:24: Vielleicht auch ein bisschen ja nicht zerstreuen aber wo man sich gut und gut gelaunt... informieren kann über das jeweilige Themenfeld.

00:24:34: Haben Sie einen oder zwei Medientipps für uns?

00:24:37: Podcast, die Sie gerne hören in Ihrem Fachbereich, Zeitschriften ähnliches Dinge, die sie wirklich gut finden und empfehlen könnten wenn man sich jetzt vielleicht mehr in die Materie einfuchsen möchte.

00:24:47: Es ist gut formuliert, gut gelaut informieren.

00:24:50: also ich bin mir nicht sicher ob ich das gut beantworten kann.

00:24:53: Also Twitter war früher für mich aber seitdem der Verrückte das übernommen hat bin ich davon abgekommen.

00:25:02: also insofern ist es jetzt für mich keine Quelle mehr.

00:25:06: Ich habe stattdessen ein paar Substack Newsletter abonniert, die für mich informativ sind.

00:25:14: Also wenn ich wirklich ums fachliche geht dann schaue schon in so die wichtigste Zeitschriften rein gar nicht so viele der American Historical Review wahrscheinlich die wichtigsten und sonst.

00:25:28: Im Grunde ist es so, dass ich das meiste irgendwie so aufsauge.

00:25:30: So höre von... Also gerade an der Universität hat man ja viel Kontakt mit Studierenden, Doktorandinnen, Postdocs und permanent hört man von irgendwas was in dem Feld passiert, also eigentlich ist das jetzt noch kein guter Tipp für andere.

00:25:45: aber das ist

00:25:46: für

00:25:47: mich wahrscheinlich die westisch schnellste und sozusagen aktuellste Form mitzukriegen, was los ist.

00:26:04: Zum Abschluss des Podcasts machen wir immer noch mal eine Entweder-Oder Runde.

00:26:09: Das heißt, wir stellen Ihnen jetzt zwei Optionen und Sie müssen sich dann in kurzer Zeit für eins der beiden entscheiden.

00:26:16: Wir sind aber so gnädig dass wir ihn zwei Joker überlassen.

00:26:19: also falls ihnen das entweder oder bei einer bestimmten Frage nicht gelingt oder sehr schwer fällt können sie haben sie zwei Joker mit ziehen können.

00:26:28: das beruhigen schon

00:26:30: schreiben oder sprechen.

00:26:35: National- oder Globalgeschichte?

00:26:37: Globalgeschichten.

00:26:39: Archiv- oder Feldforschung?

00:26:41: Na ja, Archiv als Historiker wär's dann das Archiv!

00:26:45: Kolonialismus erinnern oder hinter sich lassen?

00:26:49: Erinnern.

00:26:51: Geschichte erklären oder kritisieren?

00:26:54: Also da beides.

00:26:56: aber ich würde trotzdem erklären sagen.

00:27:00: Wissenschaft für die Fachwelt oder für die Öffentlichkeit?

00:27:03: Auch beides, aber ich sag trotzdem für die

00:27:08: Komplexität aushalten oder zuspitzen?

00:27:11: Zuspitzen.

00:27:14: Bibliothek oder Reise?

00:27:15: Reise

00:27:17: Buch oder Podcast?

00:27:18: Buch

00:27:20: Neutralität oder Haltung zeigen?

00:27:24: Haltung

00:27:25: Lange Argumente oder kurze Thesen.

00:27:29: Die These

00:27:31: HistorikerInnen als BeobachterInnen, oder als AkteurInnen

00:27:37: Als BeobachteInnen

00:27:39: Selbstliebe- oder Selbstoptimierung

00:27:44: Joker.

00:27:47: Morgens arbeiten oder abends produktiv sein?

00:27:49: Morgenges Arbeiten.

00:27:51: Berlin, oder Osaka, oder Florenz?

00:27:55: Berlin.

00:27:56: Spannend!

00:27:58: Das hätte ich gar nicht erwartet.

00:27:59: Ah so, ja?

00:28:00: Ja, dadurch, dass wir über Japan am Anfang gesprochen haben ... bestimmt sagt er Osaka.

00:28:06: Also erstens mal in Japan, ich habe zwei in Osaka meine erste Studie im Jahr verbracht aber inzwischen bin ich immer in Tokio.

00:28:12: also insofern müsste ich Tokio sagen Aber ja ich bin da wahnsinnig gerne das ist großartig da.

00:28:19: aber Ja wenn ich also leben würde ich doch lieber in Berlin.

00:28:26: Ich mein ja ich hab wirklich das Glück dass sich so viel unterwegs sein kann eingeladen werde überall hin, insofern das ist im Moment für mich die optimale Strategie an einem Ort zu sein der selber relativ also für deutscher Verhältnis auch relativ international ist aber dann reisen zu können.

00:28:44: Sie haben gerade eben schon sich für die Haltung entschieden bei der Neutralität oder Haltung.

00:28:50: meine allerletzte Frage schließt so ein bisschen daran an was für eine Verantwortung sehen sie denn für ihre Zunft?

00:28:59: Sollten Historikerinnen Gegenwart und Zukunft mitgestalten?

00:29:02: Und wenn ja, wie.

00:29:05: Also warum ich vor Enhaltung und Nicht-Gestaltung gesagt habe hat auch damit zu tun dass lange Zeit überhaupt WissenschaftlerInnen oder vor allem Wissenschaftler davon ausgegangen sind das ihre Stimme wahnsinnig einflussreich ist.

00:29:20: Wahnsinnig Also wichtig ist auch, also ich erinnere mich so an Textes.

00:29:25: Aber das ist jetzt schon eine Weile her in denen Historiker davon ausgingen dass sie die Ärzte ihres Volkes, die Lehrer ihres Volks sein und so.

00:29:33: Und das ist meines Erachtens eine totale Überschätzung.

00:29:35: Im Grunde sehen wir sehr schnell, dass viele der Thesen, die wir WissenschaftlerInnen formulieren, dass die sehr stark geprägt sind vom Zeitgeist.

00:29:44: Wenn wir da aus dreißig Jahre später darauf zurück schauen, sehen wir sofort wie stark es mit den Zeitläufen zu tun hat.

00:29:49: Also in gewisser Weise sind wir eher Seismografen dessen, was passiert als die, die das wirklich schäpen sozusagen prägen.

00:29:58: Ja so würde ich sagen.

00:29:58: also in gewisser Weise ist deshalb... Also das ist eine Formulierung der Bescheidenheit, so würde sich das sehen nicht davon auszugehen dass man auch durch die eigenen Interventionen die Gesellschaft verändern kann.

00:30:11: Also so gleichzeitig ist es aber wichtig meines Erachtens schon wichtig auch Stellung zu nehmen.

00:30:18: Das heißt nicht sich als rein beschreibende oder analysierende Person verstehen sollte, sondern idealerweise auch Stellung nehmen.

00:30:30: Wenn das gut läuft kann man es verbinden.

00:30:33: Man sieht ja das Spektrum unter den KollegInnen.

00:30:37: also bei manchen ist es ganz zurückgenommen beschreibend der Versuch ganz sachlich zu sein.

00:30:45: andere sind im Grunde mehr aktivistisch fast schon tätig.

00:30:48: Da hat jeder und jede haben ihre eigene Balance.

00:30:52: vielleicht, meine liegt jetzt weder bei dem einen oder dem anderen extrem.

00:30:56: Ich würde gerne dabei bleiben dass ich unterschiedliche Seiten sehen kann und einbeziehen und trotzdem aber dann eine Position habe.

00:31:10: Vielen Dank für die Einordnung.

00:31:12: und überhaupt vielen herzlichen Dank, dass Sie hier waren.

00:31:14: Dass sie sich darauf eingelassen haben auch noch am Tag der Preisverleihung jetzt können wir das ja verraten.

00:31:19: Wir sind quasi direkt davor Und danke für das tolle Gespräch.

00:31:26: Ich bedanke mich auch.

00:31:27: vielen dank Ja

00:31:29: und dann bleibt mir eigentlich nur zu sagen ich freue mich wenn Ihr bei unseren anderen Podcast-Folgen mal rein hört, wir haben immer wieder super spannende Gäste.

00:31:39: Schaut auf unseren Kanälen vorbei, auf Instagram, auf unserer Website, auf LinkedIn wenn ihr das möchtet und ansonsten hören wir uns in der nächsten Folge wieder!

00:31:49: Tschüss, macht's gut!

00:32:03: Musik Maximilian Scheikiusen.

Über diesen Podcast

In diesem Podcast der Schader-Stiftung geht es um Menschen und Ideen, um Gesellschaftswissenschaften und Praxis.

Dr. Stella Lorenz und ihre Co-Hosts Benjamin Stehl und Valeria Elsesser sprechen mit spannenden Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Praxis. Wissen möchten sie von ihren Gästen, woher sie kommen, was sie dazu gebracht hat, sich mit gesellschaftlichen Belangen zu befassen und was sie dabei aktuell am meisten beschäftigt.

von und mit Schader-Stiftung

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